Belastende Krankheitstypen

Krankheiten mit ähnlichen psychosozialen Faktoren wirken sich, unabhängig vom biologischen Krankheitsgeschehen, ähnlich auf Familien aus. An Hand dieser Merkmale können praktische und emotionale Belastungen eingeschätzt und berücksichtigt werden, die aus einer Erkrankung in der Familie entstehen können.

Konstanter Verlauf

Krankheiten mit einem konstanten Verlauf können zunächst ein initiales Ereignis haben, wie z. B. einen Unfall oder einen Herzinfarkt. Diesem Ereignis folgt typischerweise eine Erholungsphase, darauf dann die chronische Phase. Diese Phase ist gekennzeichnet durch ein klar umschriebenes Defizit oder eine Einschränkung.

 

Diese Veränderungen sind für die Familie über eine beträchtliche Zeit stabil und vorhersehbar.

 

Für die Angehörigen besteht die Gefahr, dass Erschöpfungs-symptome auftreten können. Dies hängt vor allem vom Grad der Beeinträchtigung ab, also davon, wie gravierend die Veränderungen sind.

 

Beispiele: Herzinfarkt, Schlaganfall, Unfall mit körperlichen Folgen

Periodisch auftretend 

Periodisch auftretende Krankheiten sind charakterisiert durch einen Wechsel von Perioden konstanter, geringfügiger Symptomatik und Perioden des „Aufflackerns“.

In den Phasen mit geringer Symptomatik kann ein normaler Alltag geführt werden, allerdings befindet sich die Familie in einer Art „Rufbereitschaft“, falls die Krisensituation eintritt und die Erkrankung aufgefangen werden muss. Bildlich gesprochen hängt das „Damoklesschwert des Rückfalls“ über der Familie.

 

Von der Familie wird ein hohes Maß an Flexibilität abverlangt. Tritt der Rückfall ein, wird eine Änderung der familiären Ordnung notwendig. Je häufiger diese Wechsel auftreten, desto größer kann die Belastung für das Familiensystem sein. Außerdem besteht eine dauerhafte Unsicherheit, wann sich die nächste Krise ereignen wird.

 

Somit stellt vor allem die große Diskrepanz zwischen den Zeiten der „Normalität“ und Zeiten von „Rückfällen“ eine belastende Eigenschaft von periodisch rezidivierend verlaufenden Erkrankungen dar.

 

Beispiele: Bandscheibenprobleme, Asthma Bronchiale, Colitis Ulcerosa oder auch schizophrene und affektive Störungen, wie z.B. Schizophrenie, schwere depressive Episoden und bipolare Störungen

Progredienter Verlauf

Bei progredienten Erkrankungen tritt die Behinderung schrittweise auf und verschlimmert sich. Eine Heilung ist nicht möglich.

 

Zu Beginn wirkt sich diese Erkrankung zunächst wenig oder gar nicht behindernd auf Betroffene und Angehörige aus.

Im Allgemeinen können sich die Familien an die langsam auftretenden Einschränkungen gewöhnen. Oft leben die Familien jedoch in einer Phase, die von Unsicherheit und Ungewissheit geprägt ist, da eine Diagnose oft noch nicht gestellt wurde.

 

Manchmal kann in der Familie bereits durch eine Diagnose, und damit dem Wegfall der Ungewissheit, eine gewisse Entlastung eintreten. Die Situation wird häufig von Menschen als erträglicher empfunden, wenn sie sich mit der Diagnose und den damit verbundenen Folgen auseinandersetzen können.  

 

Die Familie wird durch einen progredienten Verlauf dauerhaft mit einem kranken Familienmitglied konfrontiert, bei dem sich die Behinderung schrittweise oder allmählich verschlimmert.

 

Zeiten der Besserung oder Entlastung sind selten bis unwahrscheinlich, durch die fortschreitende Verschlimmerung der Symptome ist eine ständige Anpassung an neue Situationen erforderlich. Im Krankheitsverlauf gibt es keine Ruhephasen, auf die Familienmitglieder kommen immer mehr und zusätzliche Aufgaben zu. Diese Art der Belastung kann zu Erschöpfungssymptomen führen.

 

Beispiel für einen progredienten Verlauf ist die Erkrankung an Demenz